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Gedanken nach einem Volontäreinsatz auf den Salomon-Inseln

von Christian Himmelberger

 

Beim Durchstöbern der Website, die von Vito Corti professionell unterhalten wird, bin ich auf ein Abschnitt in Dr. Fenners Bericht gestossen, in dem er die Worte des Gesundheitsministers von Lesotho, die er als Student gehört hatte, rezitiert: "Overseas doctors are coming with their best intention to teach us medicine. After a year or two they are leaving and a new doctor is coming into the country and teaches his kind of medicine."

Bringen wir (Ärztinnen, Ärzte, Krankenschwestern/-pfleger und motivierte Hilfskräfte) wirklich etwas, wenn wir einen humanitären Einsatz leisten? Dieser kritischen Frage muss sich jede und jeder stellen.

Es sind sich wohl alle einig, dass es für uns selber auf jeden Fall etwas bringt. Unter unkomplizierten Verhältnissen können wir in kurzem Zeitraum vieles lernen. Haben wir unsere Arbeit getan und ist unser Einsatz vorbei, setzen wir uns ins Flugzeug, reicher an Erfahrung und Wissen, im Koffer das eine oder andere exklusive Souvenir, die Filme belichtet mit exotischen und eindrücklichen Bildern. Es ist wieder ein Platz frei geworden für den nächsten Newcomer.

Und den Einheimischen und dem Land, in dem wir gearbeitet haben, hat es was gebracht?

Ich bin überzeugt, dass ein Einsatz Nutzen für Land und Leute haben kann, aber nicht muss. Ich behaupte, dass es nur dann etwas bringt, wenn wir uns anstrengen, unseren guten Vorsätzen zu folgen und uns so benehmen, wie das von uns zuhause auch erwartet wird. Ausserdem sollten wir versuchen, den eigenen Prinzipien treu zu bleiben und so exakt und genau wie möglich zu arbeiten. Weitere Schlüsselwörter: Respekt, Anstand und Geduld. Respekt und Anstand sind von tragender Bedeutung, sollte der Einsatz vor Ort Früchte tragen. Was beispielsweise gibt uns das Recht, in einem Entwicklungsland Dinge zu tun, die wir uns zuhause niemals trauen würden? Geduld hilft uns, zermürbende Umstände und Situationen besser zu ertragen und zu überstehen.

Während meiner Zeit in Honiara hab ich negative Beispiele erlebt, die zeigten, dass es eine Illusion ist, zu glauben, dass "Hilfskräfte" nur lautere und edle Absichten hätten. Es scheint das Schicksal von Entwicklungsländern zu sein, nach wie vor ausgebeutet zu werden. Ist es Neokolonialismus oder hat der Kolonialismus nie aufgehört? Entwicklungsländer als Tummelfeld für Abenteurer, Freaks und Spinner? Überspitzt formuliert, kam es mir manchmal so vor: In Europa 'ne Null, hier ein Held.

Abgesehen von charakterlichen Merkmalen des Individuums, glaube ich fest, dass die Zeitspanne entscheidend ist: Je länger der Einsatz ist, umso höher die Chancen auf ein Benefit für die unterentwickelte Seite. Warum wohl bietet MSF (Médecins Sans Frontières) keine Verträge unter 2 Jahre an? Auf Stufe Assistenzarzt bringt ein Einsatz unter 6 Monaten kaum etwas. Und ein Student sollte für mindestens 3 Monate kommen. Ferientechniker und Sich-selber-Finder gehen lieber einen Sommer lang auf die Alp.

Bitte nicht falsch verstehen, ich möchte nicht demotivieren oder Einsatzgedanken abtöten, aber man darf sich keine Illusionen machen. Das Härteste und Schwierigste nach der Ankunft ist, zu merken, dass man initial einfach nutzlos ist. Die man-wird-ja-gar-nicht-gebraucht-Erfahrung ist am Anfang harte Realität. Sie ändert sich aber definitiv nach 3-4 Monaten. Die Website gibt einen Eindruck von der Situation im und um das National Referral Hospital, aber es kommt eh nochmals anders, als man sich das vorstellt, TOTAL anders.

Zusammenfassend war es für mich die beste Erfahrung in meinem bisherigen Leben. Ich bin überzeugt, dass ich eine kleine Hilfe vor Ort war und das eine oder andere bewirken konnte. Die Solomon Islanders, die ich im Verlauf des Jahres kennenlernte, haben mir sehr viel geschenkt, mehr als sie ahnten. Herzlichen Dank!

And now I want to take the opportunity to thank all the involved people who helped me a lot during my year in the National Referral Hospital. Dr. Lazarus I thank you for your support, it was a pleasure to meet you. You know what is up for the future. Dr. Pana I wish you all the best and good moments in the future, may God be with you. Philipp I will see you soon in Switzerland, be strong. Dr. Patrick thank you for all your instructions, especially the technical advises when it came to the removal of External Fixators. I appreciated your hard working, especially in the fracture clinic and in the ward, where you did most of the preparations for the orthopaedic patients, i.e. checking Hb-results, checking the consent form signed and the blood-units ready or not. Thanks also for your tips in the Minor OT. Big thank you to all the OT-Staff. Thanks for the service and the smile even on rainy days. Especially Esther, you just knew everything concerning screwdriver, spanner, k-wire and Co. Thank you Dr. Kaeni and Dr. Shah for your big trust in me after teaching me in anaesthetic skills and tasks. Thank you Dr. Oberli for your orthopaedic and surgical instructions. You gave me hard times, but yourself went ahead as an example of hard working, serious and detail loving performance. Thank you Elisabeth Oberli for your support, I really loved and appreciated your cooking, whenever I was invited at your place.

To the Solomons and its people: mi laikem iu tumas, lukim iu.

Christian Himmelberger

© September 2003 Christian Himmelberger

Siehe auch Als Assistenzarzt im NRH, ein Zwischenbericht nach 7 Monaten

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