Home page

back

Reisebericht Solomon Islands 2003

von Ernst Knellwolf (Bilder: K. Brauchli und H. Oberli)

Teil 1 2

Ernst Knellwolf

Die eigentliche Reise zusammen mit Susanne beginnt am 12. Dezember 2002 mit dem Flug nach Neuseeland. Dort reisen wir 2 Wochen auf der Nordinsel und anschliessend 2 Wochen auf der Südinsel. Am 13. Januar 2003 fliegen wir nach Sydney, und von dort fahren wir mit einem Camper nach Adelaide. Am 1. Februar geht die Reise weiter mit dem Flugzeug nach Brisbane. Hier trennen sich unsere Wege, Susanne fliegt am 3. zurück in die Schweiz und am gleichen Tag trifft hier in Brisbane mein Nachbar Kurt Meier ein. Kurt begleitet mich nach Solomon Islands als Assistent bei meinen Arbeiten im Spital.


Dienstag 4. Februar

Nachdem ich gestern die Flugbestätigung der Solomon Airlines auf 11`00 Uhr erhalten habe, begeben wir uns rechtzeitig auf den Flughafen. Im Hotel ist noch ein Gast der auf das gleiche Flugzeug kommt. So nehmen wir zusammen ein Sammeltaxi. Im Flughafen die erste Überraschung: der Flug nach Honiara ist 3 Stunden verspätet. Die Warterei beginnt.

Nach einem guten Flug - aber dem falschen Essen (uns wurde das für den Rückflug bestimmte Essen serviert) - landen wir abends um 6 Uhr in Honiara. Hermann ist am Flughafen und bringt uns zu einem Australier namens David Alderdice. Er arbeitet auf einer Bank und wohnt ganz alleine in einem grossen Haus, das wir nun mitbenützen können. Elisabeth ist immer noch in der Schweiz, Hermann ist seit Dezember alleine hier und daher glaubt er, dass sein Haus für uns nicht die richtige Wohnadresse ist. David hat uns - kaum angekommen - schon in den Golfclub entführt. Dort traf ich bereits einige alte Bekannte.

Mittwoch 5. Februar

Unsere Arbeit beginnt um 8 Uhr am Ärzte-Rapport. Anwesend sind mehr Schweizer als Einheimische. Hermann stellt uns den Anwesenden vor. Aus der Schweiz sind im Moment hier: Theo von Fellenberg, ein Arzt mit seiner Familie aus dem Münstertal; Christian Himmelberger, ein Arzt aus Mels; Nora Monnier, Medizinstudentin aus Zürich; Rahel Meier, Ärztin aus Zürich und Kurt Brauchli mit seiner Frau Andrea als Computer Fachmann. Unsere Aufgabe für diese Woche ist klar definiert: Der Zahnarztstuhl ist instand zu stellen und die eingetroffenen Röntgenapparate sind in Betrieb zu nehmen. Der Container mit allem Material ist im Dezember hier eingetroffen. Ein erster Rundgang zeigt, dass sich hier eigentlich nichts verändert hat. In der Dental Clinic sind die letztes Jahr in Auftrag gegebenen Wasser- und Druckluftleitungen noch nicht verlegt. Eine Verlängerung von bestehenden Leitungen um ca. 2 m - bei uns eine Arbeit von etwa 2 bis 3 Stunden! Der Zahnarzt-Stuhl wurde im letzten halben Jahr in der untersten Stellung betrieben weil kein Hydraulik-Öl mehr drin war. Hier wird einfach nichts erledigt, wenn sich nicht jemand immer wieder darum kümmert. Hydraulik-Öl ist im Moment keines vorhanden, und das Material für die Leitungen fehlt auch. Hier kommen wir nicht weiter, also wechseln wir in die Fracture Clinic zu den Röntgenapparaten. Wir versuchen die richtigen Geräte zusammenzustellen - aber mit wenig Erfolg. Hermann hat nur noch ein Gerät zur Verfügung, das noch halbwegs funktioniert. Somit ist dringend ein brauchbares Ersatz-Gerät bereit zu stellen.

Donnerstag 6. Februar

Heute morgen bringt uns Hermann einen Satz Werkzeuge, damit wir auch richtig arbeiten können. Die Fracture Clinic, worin sich die Röntgenapparate befinden, ist natürlich abgeschlossen, und niemand hat einen Schlüssel dazu. Das teilweise stundenlange Warten auf die Lösung solcher "Knöpfe" gehört hier zum Alltag. Irgendwann im laufe des Vormittags taucht Christian mit einem Schlüssel auf, und unsere Arbeit kann beginnen. In fast jedem Gerät - C-Bogen oder Bildschirm-Turm - ist ein Problem verborgen, so dass es nicht funktioniert und zuerst geöffnet werden muss, um alle Stecker und Prints richtig einzustecken. Bis am Abend wissen wir schliesslich, dass fast alle Geräte wieder funktionieren, aber nicht beliebig miteinander kombiniert werden können.

Freitag 7. Februar

Das Swiss Team
Das Swiss Team
(H. Oberli)

Zuerst wird heute morgen das Gerät aus dem OP 1 geholt. Es gilt, an ihm den Bildschirm zu wechseln, weil das Bild nur noch in einer bestimmten Schräglage angezeigt wird und nicht verstellt werden kann. Um 9 Uhr haben alle Schweizer zu einem Fototermin zu erscheinen, es sind total 8 Leute, die derzeit im Spital arbeiten. Eine Rückfrage in der Dental Clinic, wo das Hydraulik-Öl ist, zeigt dass da etwas läuft. Es gebe vier verschiedene Ölarten, sagt der für die Beschaffung Verantwortliche. Ich lege mich auf eine der vier Arten fest, so dass diese in den nächsten Tagen beschafft werden kann. Nun beschäftigen wir uns bis am Mittag wieder mit den Röntgengeräten.


Am Nachmittag müssen wir im Operationssaal 1 die OP Lampen reparieren so dass diese sich nicht mehr selbständig bewegen, wenn sie einmal in eine bestimmte Stellung gebracht worden sind. Dies ist ein schwieriges Unterfangen: Die für eine Demontage notwendigen Schrauben können nicht gelöst werden, und die Dachkonstruktion ist für diese Lampe etwas zu schwach so dass das ganze Dach sich bewegt wenn die Lampe bewegt wird. Den ganzen Nachmittag versuchen wir etwas daran zu verbessern. Dies gelingt uns auch, die Frage ist nur, für wie lange unsere Reparaturmassnahme auch wirklich hält.

Zum Apero gehen wir wieder mit David in den Golfclub. David ist auch sehr um unser Essen besorgt. Er kocht die Hauptsache für uns.

Samstag 8. Februar

David bringt uns nach dem Morgenessen in die Stadt. Ich zeige Kurt das kleine Zentrum, den Hafen und den Markt von Honiara. Den Rest des Tages verbringen wir zu Hause mit Schreiben, Lesen, Kochen und Essen.

Sonntag 9. Februar

Lesen und Schreiben ist angesagt. Ueber den Mittag fahren wir zusammen mit David zum Yacht Club und geniessen einen Hamburger. Auf der Heimfahrt zeigt uns David noch einige Stadtteile und Vororte in der Umgebung von Honiara.

Montag 10. Februar

Kurt hat einige Schreibarbeiten für sich persönlich zu erledigen, so dass ich heute allein in den Spital fahre. Es sind noch die letzten Arbeiten an den Röntgengeräten zu erledigen, so dass diese wieder eingesetzt werden können. Bei dieser Arbeit stelle ich fest, dass sich in ein altes, nicht mehr funktionstüchtiges Gerät wieder eine Ratte eingeschlichen und alles zerfressen hat. Das hat nun zur Folge, das alle funktionierenden Geräte besonders vor Ratten geschützt werden müssen. Unklar ist mir lediglich noch, wie dies möglich ist.

In der Dental Clinic frage ich wieder einmal nach dem Öl, aber es ist halt immer noch nicht da. Für Hermann soll ich noch zusätzliche defekte Vacuum-Pumpen zusammensuchen und diese dann umbauen für den Anschluss ans zentrale System.

Am Nachmittag beschäftige ich mich mit dem Zahnarztstuhl, was allein nicht ganz einfach ist.

Dienstag 11. Februar

Zusammen mit Kurt baue ich den Zahnarztstuhl wieder zusammen. Alle neuen Teile passen gut zusammen, und bis am Mittag sind wir mit dem Zusammenbau fertig. Das Öl fehlt natürlich immer noch, so dass wir hier wieder nicht weiterarbeiten können. Im Labor liegt aber noch eine Zentrifuge aus dem Spital in Herisau, welche sich nicht dreht. Wir machen uns voller Zuversicht an den Versuch, diese zu reparieren, aber leider ohne Erfolg. Zu Hause hat diese Zentrifuge noch einwandfrei funktioniert, es ist mir ein grosses Rätsel, weshalb sie nach dem Transport nach Honiara nun ihren Dienst versagt. Aber ohne das entsprechende Elektroschema die Ursache zu finden, gleicht dem Suchen der berühmten Stecknadel im Heustock.

Nachmittags finden wir bei einem erneuten Check in der Dentalklinik plötzlich Hydraulik-Öl vor, so dass wir endlich am Zahnarztstuhl weiterarbeiten können. Beim Einfuellen des Öls mit einer Spritze aus dem Spital kommt es zu einem kleineren Ölunfall: Die Spritze bricht auseinander, und Kurt und ich sind vollbekleckert mit Hydraulik-Öl. Aber wir sind ja schliesslich zum Arbeiten hergekommen, und deren Spuren soll man auch sehen! Mit den Ölflecken an den Hosen bewegt sich Kurt plötzlich irgendwie viel selbstbewusster als bisher!

Der Zahnarztstuhl
Der Zahnarztstuhl
(H. Oberli)

Ein erster Test am Zahnarztstuhl zeigt uns danach, dass die Hydraulikverschraubung am neu eingebauten Zylinder nicht dicht ist. Dieser Zylinder wird nochmals ausgebaut und die Verschraubung nachgezogen. Alle anderen Verschraubungen geben aber keine Probleme. Das ganze System ist nun dicht und - Freude herrscht - alles funktioniert.

Ueber diesen Zylinder gibt es eigentlich noch eine lange Geschichte zu erzählen: Vor zwei Jahren - bei der ersten Inbetriebnahme - war er bereits defekt. Hermann brachte diesen in eine lokale Werkstatt zur Reparatur. Diese Reparatur wurde aber in der Zeit meines Aufenthalts hier in Honiara nicht fertig. Ein Jahr später baute ich den reparierten Zylinder ein, aber er war immer noch nicht dicht. Er musste wieder ausgebaut werden. Hermann brachte diesen erneut in die gleiche Werkstatt und man flickte wieder daran herum. Nach dem erneuten Einbau in den Zahnarztstuhl spritzte das Hydraulik-Öl halt wieder bis zur Decke. Nun war meine Geduld mit der lokalen Werkstatt zu Ende. Ich nahm den Zylinder in mein Gepäck, mit der Idee, diesen in der Schweiz reparieren zu lassen. Bei meiner Einreise nach Australien wurde dieser aber auf dem Flughafen von der Polizei beschlagnahmt und als sehr gefährlich bezeichnet. Ich musste ihn in Brisbane zurücklassen. Nach langer Schreiberei und einigen Telefongesprächen mit Australien wurde der Zylinder aber doch noch in die Schweiz transportiert. In der Lehrwerkstatt der Firma Huber+Suhner AG wurde der Zylinder repariert, es musste ein neues Vorderteil aus Messing hergestellt werden. Der Rücktransport auf die Solomonen erfolgte dann mit anderen Materialien in einem grossen Container.

Mittwoch 12. Februar

Vor dem endgültigen Zusammenbau des Zahnarztstuhles will ich heute morgen den Elektriker vom Spital noch genau über die neu angebrachten Installationen im Stuhl informieren. Dieser ist natürlich wieder einmal nicht aufzufinden. Also bleibt diese Arbeit erneut liegen.

In der Fracture Clinic haben wir noch einige Vacuum-Apparate zu reparieren, welche wir in der Zwischenzeit von diversen Orten im Spital zusammengesucht haben - einen davon sogar im Schrott-Zwischenlager! Kaum dort eingetroffen ruft mich Christian - ein Arzt aus der Schweiz - zu sich in den OP: Der vor ein paar Tagen reparierte Röntgenapparat läuft wieder nicht! Im Moment kann ich ihm auch nicht helfen, der Apparat muss wieder zurück in unsere Reparaturwerkstatt, und es gibt wieder Arbeit für uns.

Wir machen uns zuerst hinter die Vacuum Geräte, und schon ruft mich Peter, ein einheimischer Operationsgehilfe, ich solle sofort in den OP zu Dr. Oberli kommen, er stehe mitten in einer Operation und sein Röntgengerät funktioniere nicht mehr! Ich muss mich vollständig mit Operationskleidern ausrüsten und begebe mich in den OP. Dort sind einige Ärzte und Schwestern mitten in der Arbeit. Ich versuche, das Röntgengerät wieder in Gang zu bringen, das sie dringend brauchen. Es gelingt mir nicht, und es sieht danach aus, dass die Ärzte jetzt vorerst ohne das Gerät arbeiten müssen. Peter drückt aus einer Art Verlegenheit nochmals kräftig auf eine Bedienungstaste, und - oh Wunder - die Kiste läuft wieder!

Nach dem Mittag erscheint auch der Elektriker wieder und zusammen mit ihm montieren wir den Zahnarztstuhl fertig. Der läuft danach einwandfrei, aber wie lange?

Nun versuchen wir den Röntgenapparat von Christian ebenfalls wieder in Funktion zu bringen, leider ohne Erfolg. Seit dem Mittag ist im Spital auch die städtische Stromversorgung wieder einmal ausgefallen, das Notstromaggregat läuft. Mitten im Nachmittag kommt der Strom wieder zurück. Bei der Umschaltung auf das Netz bricht die ganze Stromversorgung für einige Zeit zusammen. Dies gibt jeweils eine grosse Aufregung, denn im OP stehen alle Apparate still, für die Patienten ist dies lebensbedrohend - und für die elektrischen Geräte ebenfalls. Solche Vorkommnisse sind hier beinahe alltäglich.

Heute abend sind wir bei Oberli's zum Nachtessen eingeladen, zusammen mit Kurt Brauchli und seiner Gattin Andrea. Elisabeth kocht so hervorragend, dass ich halt wieder einmal mehr zu viel esse. Kurt geht es nicht besser. Die vollen Bäuche beeinträchtigen ein wenig unseren Schlaf, dabei hätten wir uns bereits derart gut an einen tiefen und langen Schlummer gewöhnt!

Donnerstag 13. Februar

Meine erste Aufgabe ist es heute, mit dem Elektriker nach den Ursachen des Stromzusammenbruches vom Vortag zu suchen. Dieser ist wieder nicht aufzufinden, es heisst, er müsse seine Kinder in die Schule bringen und komme deshalb gezwungenermassen später.

Als er dann endlich auftaucht erzähle ich ihm die Situation, und ich frage ihn nach dem Elektroschema der ganzen Stromversorgung mit dem Notstromteil. Seine Antwort ist kaum zu fassen: "Ja dieses Schema gibt es, aber diese Unterlagen sind in einem Büro eingeschlossen. Den Schlüssel hat ein Mitarbeiter, welcher im Moment in Fiji in den Ferien weilt. Ich kann da nichts machen".

Enttäuscht von dieser Auskunft, versuchen wir nun wieder das Röntgengerät in den Griff zu bekommen. Hermann organisierte uns WD 40, ein Wundermittel das alles reinigt - hoffentlich auch die Elektrokontakte dieses Röntgengeräts. Und siehe da: Das Wunder trifft ein, die Maschine läuft. Nach diesem erfolgreichen Eingriff funktionieren plötzlich wieder alle Apparate.

Am Nachmittag fahren Kurt und ich in die Stadt, ich muss mein Ticket nach Australien umbuchen. Danach wollen wir im Internet-Café einige E-Mails aufgeben. Daraus wird aber nichts, der Strom ist natürlich wieder einmal in ganz Honiara ausgegangen.

Am Abend kocht unser Hausherr David einmal mehr ein hervorragendes Menu.

Freitag 14. Februar

Am Morgen habe ich zu Hause noch einige Schreibarbeiten zu erledigen. Wir fahren darum etwas später zum Spital. An der Bushaltestelle sieht uns ein Fahrer vom Spital und wendet sofort sein Auto, damit er uns mitnehmen kann. Er zeigt uns auf seiner Rückfahrt noch einige charakteristische, höchst eindrückliche Aussenquartiere von Honiara. Um 11 Uhr steht ein Termin mit dem Bauführer, der damals schon die Fracture Clinic gebaut hat, er ist für die neu installierten Regenwassertanks zuständig. Diese weisen einige Mängel auf, die ich mit ihm besprechen und besichtigen muss. Er kommt - welches Wunder - zur Zeit, und es ist in Kürze klar, was noch zu machen ist. Nach dem Mittagessen haben wir mit dem Schreiner ein Rendezvous vereinbart, um die Decke im OP 2 zu öffnen. Dieser erscheint wieder nicht - man sagt uns, das ganze Personal habe für diese Woche erneut keinen Lohn erhalten und sei somit heute Freitagnachmittag nicht an der Arbeit anzutreffen. Kurt und ich öffnen die Decke allein, begleitet von einer lautstarken Radio-Uebertragung der gleichzeitig stattfindenden Abdankungs-Zeremonie für den ermordeten Sir Fred, einen hohen Beamten der Solomon Islands. Das Radio steht im Vorbereitungsraum der OP's, und die grünbekleideten OP-Hilfen hören angespannt der Uebertragung zu. Im OP 2 müssen Sicherheits-Transformatoren eingebaut werden: Diese Lampen werden mit 240 Volt betrieben und sind zeitweise voll mit Kondenswasser, so dass die ganze Lampe jeweils unter Strom steht. Um diese gefährliche Situation zu beheben, wollen wir die Transformatoren einbauen. Heute treffen wir aber vorerst nur die Vorbereitungen dazu.

Samstag 15. Februar

Die Ausflugsgesellschaft
Die Ausflugsgesellschaft
(K. Brauchli)
Auf Maravagi
Auf Maravagi
(K. Brauchli)

Ueber das Wochenende fahren wir zusammen mit Natalie und Theo mit ihren beiden Kindern, Andrea und Kurt Brauchli und Christian nach Maravagi. Dies ist ein Resort, welches von Einheimischen betrieben wird. Diese holen uns mit ihrem Boot beim Yachtclub ab. Es kommen gleich 2 Boote, weil sich auch noch eine Neuner Gruppe aus Schweden angemeldet hat. Die Abfahrt verzögert sich aber, weil die Schweden nicht zur Zeit eintreffen. Ein Teil von uns fährt deshalb mit dem ersten Boot voraus. Es ist eine Ueberfahrt mit einem verhältnismässig kleinen, offenen Boot mit einem Aussenbordmotor. Die Fahrt geht - ohne Schwimmwesten - etwa 1 ½ Stunden über das offene Meer. Die Schiffsschraube schlägt auf dieser Fahrt mitten im Meer auf einen grösseren Baumstamm auf. Der Bootsführer muss danach die Schraube kontrollieren, glücklicherweise ist nichts defekt. Kaum auszumalen, welche fatalen Konsequenzen eine defekte Schiffsschraube mitten auf diesem endlos scheinenden Meer für die Passagiere und das Bootspersonal haben würde. Es verkehren neben diesen Resort-Zubringerbooten praktisch keine Schiffe zwischen den weitab voneinander gelegenen Inseln!

Das Resort ist wunderschön gelegen, die Unterwasserwelt ist hier auch noch intakt. Um einige kleinere Korallenriffe tummeln sich Fische jeder Farbe und Form. Zum Tauchen und Schnorcheln ist Maravagi ein Paradies. Die Hütten sind einfach aber sauber, das Essen ist hervorragend, hier könnten wir es eine Weile aushalten.


Sonntag 16. Februar

Mit Ausschlafen, Baden, Schnorcheln, längeren Gesprächen über "Gott und die Welt", Nichtstun und gut Essen verbringen wir den Sonntag hier. Das Abrechnen an diesem Abend mit der Credit Card braucht einige Geduld, die Einheimischen sehen diese Zahlungsart wahrscheinlich halt selten, aber es klappt doch noch.

Montag 17. Februar

Aufstehen ist auf 05`45 Uhr angesagt, 6 Uhr Morgenessen und Abfahrt 06`30. Nach solomonischer Zeitrechnung wird bekanntlich alles etwas später. Dies ist auch heute wieder der Fall. Wir fahren ca. 7 Uhr weg und kommen für die Ärzte, welche im Spital arbeiten, prompt zu spät nach Honiara zurück - sie schätzen dies überhaupt nicht, aber was wollen sie schon... Unser Flug nach Gizo ist für 13`30 Uhr vorgesehen, wir haben noch jede Menge Zeit zur Verfügung. Wir stellen alles unser Material zusammen, um 12`30 Uhr holt uns Elisabeth für die Fahrt zum Flughafen zu hause ab. Dort staunt der Angestellte der Solomon Airlines unser Ticket an und bedauert, dass heute kein Flug mehr nach Gizo gehe, sondern erst morgen wieder. Uns bleibt nur die Rückkehr nach Honiara, wir werden die Nacht nochmals im Haus von David verbringen und morgen einen erneuten Versuch unternehmen.

Die erst nachträglich erfahrene Erklärung für das neuerliche Flugreise-Debakel mit Solomon Airlines: Diese hat letzte Woche einen neuen Flugplan mit 3 Flugzeugen herausgegeben. Damals hatte sie aber bereits nur noch 2 Flugzeuge verfügbar, und ab dieser Woche fliegt sogar nur noch ein Flugzeug. Da wundert es niemanden mehr, dass nichts funktioniert. Nach einer kleinen Reparatur an Elisabeths Auto bringt Hermann mich wieder in meine Unterkunft zurück. Hier gibt es noch einige Schreibarbeiten zu erledigen, und wir sind einmal mehr den ganzen Abend lang dankbar für das gute Logis in David's Haus, welches sich erneut durch einen feinen Barbecue-Znacht und einen komfortablen Abend auszeichnet.

Dienstag 18. Februar

Um 9 Uhr holt uns Elisabeth wieder bei David ab und fährt uns zum Flughafen. Kurz vorher habe ich mich nochmals bei Solomon Airlines telefonisch erkundigt ob der Flug durchgeführt wird und ob er zur Zeit fliegt. Ja, keine Probleme heute, der Flug geht on time, lautet die Auskunft. Auf dem Flughafen erhalten wir auf unsere Fragen die gleiche Antwort, die Abfertigung ist sofort erledigt und wir warten nun auf das Flugzeug. Dieses trifft um 9`30 Uhr ein, das Gepäck wird verladen, die Maschine wird aufgetankt, es sieht aus als ob wir heute pünktlich Honiara verlassen könnten. Um 10 Uhr dann die erste Meldung: Verspätung ca. eine halbe Stunde. Nach Ablauf dieser Zeit heisst es, die Verspätung erhöhe sich um weitere 2 Stunden, es müsse eine Batterie ausgewechselt werden. Einige Passagiere holen ihr Gepäck wieder ab, weil die Flugroute verändert wird, es werden nicht mehr alle Stationen angeflogen. Die "ausgeladenen" Passagiere müssen es einfach morgen wieder versuchen. Gizo ist noch der einzige Ort der Heute angeflogen wird, sofern noch eine Batterie gefunden werden kann. In Gizo stehen noch einige Passagiere die nach Honiara zum Anschlussflug nach Brisbane gebracht werden wollen, das ist unser Glück. Einiges nach 12 Uhr trifft tatsächlich eine Batterie ein, und ein Mechaniker nimmt sich gemütlich dem Problem des Einbaus an. Kurz vor 1 Uhr fliegen wir direkt nach Gizo weg, wo wir um14`30 Uhr landen. Genau genommen landen wir auf einer Insel in unmittelbarer Nähe von Gizo. Diese Insel besteht praktisch nur aus der Flugpiste, hinten und vorne ist das Meer, und auf einer Seite steht eine baufällige Hütte. Dies ist das "Terminal" des Flughafens namens Nusatupe. Von hier gelangt man mit einem Boot nach Gizo. Im Spital werden wir von Dr. Divi erwartet. Wir lassen unser Gepäck im Spital und gehen zusammen mit Divi zum Mittagessen ins Dorf, anschliessend suchen wir eine Unterkunft für die nächsten Nächte. Hier ist dies überhaupt kein Problem, es gibt einige gute und günstige Möglichkeiten, auch mit Familienanschluss wenn gewünscht. Touristen gibt es allerdings fast keine, Gäste in den Hotels und Pensionen sind vorwiegend Einheimische, die auf einen Flug oder auf ein Schiff warten. Dies kann Tage dauern. Wir entschliessen uns für die teuerste von drei Möglichkeiten, 200 SBD die Nacht für uns beide, das sind etwa 40 SFr. Die gewählte Unterkunft ist aber auch die Neueste und Schönste, die wir abgesehen vom Gizo Hotel zu sehen bekommen. Letzteres ist sehr viel teurer und qualitativ erst noch um einiges schlechter. Zurück im Spital erklärt uns Divi alle seine technischen Sorgen. Wir beginnen gleich mit der Reparatur an einem kleinen Sterilisator, hierfür richten wir uns in der Apotheke ein. Der Apotheker freut sich, dass ich wieder hier bin. Er zeigt mir stolz sein Radio in der Apotheke: Es ist der Babydedektor, den ich letztes Jahr zu reparieren versucht habe. Dies gelang damals nicht, aber das Gerät funktioniert dafür zufällig als Radio. Hermann hat mir einen Temperaturregler für einen Sterilisator mitgegeben. Es war letztes Jahr bereits ein Temperaturregler defekt, als Ersatz kann ich nun den mitgebrachten einbauen. Der Test zeigt, dass der Sterilisator mit dem neuen Regler bestens funktioniert.

Für heute ist danach Schluss mit Arbeiten, auf dem Vorbeiweg kaufen wir auf dem Markt noch einiges ein. Für das Essen müssen wir hier eben selbst besorgt sein. Mittags und abends werden wir aber sicher eines der guten kleinen Restaurants der Einheimischen berücksichtigen. Hier ist das Leben um einiges schöner und freier als in Honiara, die Leute sind freundlich und hilfsbereit. Aber wir sind natürlich immer noch auf Solomon Islands, verlassen kann man sich auch hier eigentlich auf nichts.

Fortsetzung

© März 2003 Ernst Knellwolf Bilder © 2003 K. Brauchli und © 2001/2003 H. Oberli

up