Home page

back

Projekt Kambodscha

von Ernst Knellwolf (Bilder: E. Knellwolf)

Im Sommer 2002, auf der Reise vom Heimaturlaub zurück auf die Salomon-Inseln, hat Hermann Oberli einen mehrtägigen Arbeitsaufenthalt in Kambodscha eingeschaltet. Er operierte einige Tage in Phnom Penh zusammen mit Dr. Theavy Mok. Dabei musste Hermann feststellen, dass im OP kein Bildverstärker, also keine Möglichkeit zum Röntgen, vorhanden war. Wieder zurück auf den Salomonen hat Hermann mir geschrieben, ich solle so rasch wie möglich einen Bildverstärker, der für die Salomon-Inseln vorgesehen war und in der Schweiz bereit stand, nach Kambodscha zu Dr. Theavy Mok senden.

So einfach, wie das auf den ersten Blick aussah, war das aber nicht. Die Einfuhrbestimmungen für dieses Land sind sehr kompliziert und aufwändig. Es mussten zuerst Kopien von Lieferschein, Proformarechnung und Schenkungsschreiben mit Fotos des Gerätes dem Staat Kambodscha zur Begutachtung zugeschickt werden. Nach einigem hin und her kam dann die mündliche Einfuhrbewilligung über Dr. Theavy Mok zu mir. Nun mussten wir noch sämtliche Originaldokumente von einem Notar in der Schweiz beglaubigen lassen und zusammen mit den provisorischen Schiffspapieren (Transport-Bestätigung) wieder dem Staat zusenden. Schliesslich konnten wir Mitte November 2002 das Gerät gut verpackt auf die Reise schicken. Bestätigt wurde mir die Ankunft in Phnom Penh auf Ende Dezember. Tatsächlich angekommen ist es dann Ende Januar 2003.

Kiste Kiste auf Lastwagen
Das fertig verpackte Gerät... geht auf die grosse Reise

Das Spitalpersonal in Phnom Penh wollte das Gerät natürlich so rasch wie möglich in Betrieb nehmen. Es gelang ihm aber trotz einiger Instruktionen über E-Mail nicht. Ich befand mich zu diesem Zeitpunkt auf den Salomon-Inseln und plante nun, meinen Rückweg in die Schweiz über Kambodscha zu machen. Dies klappte schliesslich aus verschiedenen Gründen nicht.

Spital Bildverstärker
Das Norodom Sihanouk Spital Das Röntgengerät (nach der Reparatur)

Ende August nun habe ich das Norodom Sihanouk Hospital in Phnom Penh besucht, um das Gerät zu reparieren. Es hatte tatsächlich einen Transportschaden erlitten. Auf der Reise war das Gerät zu hohen Temperaturen ausgesetzt und es hat sich eine Rasterplatte verbogen, so dass auf dem Bildschirm alles nur noch schwarz war. Der Fehler war in wenigen Stunden gefunden, und ich konnte das Gerät provisorisch in Betrieb nehmen. Für den vollen Betrieb ist noch ein Ersatzteil aus der Schweiz nötig.

fast schwarz Störmuster gut zerbrochene Platte
Bei der Ankunft Nach der Justierung Nach der Reparatur Defekte Rasterplatte

Das Personal im Spital ist natürlich glücklich über ihr neues Gerät, das ihnen einige Erleichterungen bei der Arbeit bringt. Es wurde eine grosse Einweihungsfeier organisiert, mit verschiedenen Ansprachen und in verschiedenen Sprachen. Operiert wurde an diesem Vormittag nicht, weil das ganze Personal an der Feier dabei war. Auch die Presse wurde aufgeboten, und so war am nächsten Tag das Land über das neue Gerät informiert. Nun hoffe ich, dass dieses Gerät noch viele Jahre der Bevölkerung von Kambodscha gute Dienste leistet.

Spitaldirektor und E. Knellwolf E. Knellwolf und Dr. T. Mok
Der Spitaldirektor und E. Knellwolf bei der Einweihung E. Knellwolf und Dr. Theavy Mok

In meiner restlichen Zeit in Phnom Penh hat mich Dr. Theavy Mok in verschiedene Spitäler gebracht, um alle ihre technischen Probleme anzusehen und auch zu reparieren. Einige wenige davon konnte ich lösen. Es bleibt aber noch sehr viel zu tun. Es fehlt an Geld, Ersatzteilen und vor allem an ausgebildetem Personal.

Herisau, 21. Okt. 2003    Ernst Knellwolf

© Oktober 2003 Ernst Knellwolf

up