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Solomon Islands März 2011

von Ernst Knellwolf (Bilder E. Knellwolf)

Im Verlaufe des Herbst 2010 ist für die verschiedenen Spitäler auf Solomon Islands wieder einiges an Material zusammen gekommen. In Zürich testete ich drei Bildverstärker auf ihre Funktionalität um zu vermeiden, dass unbrauchbares Material versandt wird. Zwei dieser Bildverstärker waren funktionstüchtig und wurden anschliessend in einem Container in Interlaken für den Versand bereitgestellt. Aus der Region Basel erhielten wir eine Röntgenanlage, welche in einer Hausarztpraxis nicht mehr gebraucht wurde. Zwei Tage Arbeit waren nötig, um die Anlage zu demontieren und anschliessend ebenfalls im Container in Interlaken zu deponieren. Im Krankenhaus in St.Maria im Münstertal durfte ich ein funktionierendes Ultraschallgerät abholen. Chefarzt Theo von Fellenberg und seine Frau Nathalie sagten mir, dass sie am liebsten im März auf die Salomonen mitkommen würden, dann könnten sie die dortigen Ärzte in die Anwendung des Ultraschallgeräts einführen.

Aus der Idee wurde Realität. Ich traf das Ehepaar von Fellenberg am 12. März 2011 im australischen Brisbane und gemeinsam flogen wir dann nach Honiara. Dort begannen dann aber die Probleme. Unser Verbindungsmann, Dr. Alex Munamua, er weilte im Sommer 2010 zur Ausbildung in der Schweiz, war nicht am vereinbarten Ort am Flughafen. Abgemacht war, dass er uns abholen und in eine von ihm organisierte Unterkunft begleiten sollte. Schon bald war der Flughafen praktisch menschenleer, nur wir drei und zwei Taxifahrer standen noch da. Die Taxifahrer warteten auf Kunden und wir wussten nicht wie weiter. Einer der Taxifahrer versuchte per Telefon mit "unserem" Arzt Kontakt aufzunehmen. Während er noch mit dem Spital telefonierte, kam der Arzt angefahren. Alex Munamua erzählte uns, dass er nicht mehr gewusst habe, an welchem Tag wir uns verabredet hätten und er bereits Tage vorher zweimal am Flughafen auf uns gewartet habe. Eine Unterkunft habe er noch nicht organisiert, aber das sei kein Problem. Das erste Guesthouse war dann aber ebenso ausgebucht wie das Zweite, schliesslich fanden wir in einem Hotel eine Unterkunft. Damit aber noch nicht genug der Probleme: Wir erfuhren, dass der Container mit dem Material aus der Schweiz noch nicht eingetroffen sei, obwohl dieser eigentlich seit zwei Wochen hier sein sollte, jetzt werde der Container in einer Woche erwartet. Alex Munamua verspricht uns, uns am nächsten Morgen im Hotel abzuholen.

Anderntags, nachdem wir mehr als eine Stunde gewartet haben, fahren wir mit dem öffentlichen Bus ins Spital. Alex Munamua ist dort und erklärt uns, dass er einen Fahrer losgeschickt habe, um uns abzuholen. Er wundert sich aber nicht, dass dieser nicht gekommen ist. Im Spital treffen wir viele Gesichter, die wir von früheren Besuchen her kennen; Theo und Nathalie von Fellenberg waren auch schon zweimal während mehrerer Monate auf den Salomonen im Einsatz. Wir besprechen mit verschiedenen Leuten die Einsatzmöglichkeiten des zu erwartenden Materials. Die Röntgenanlage und das Ultraschallgerät werden sicher nicht in Honiara gebraucht. Wir beginnen mit den Abklärungen, wo die beiden Geräte am besten eingesetzt werden könnten. So oder so, solange der Container nicht eingetroffen ist haben wir hier keine Arbeit. Darum verreisen wir für eine Woche und besuchen in dieser Zeit verschiedene kleine Inseln. Unser Gepäck deponieren wir im Spital.

Am Dienstagabend kehren wir nach zwei Zwischenstopps auf kleineren Salomon-Inseln wieder nach Honiara zurück; im gleichen Flugzeug reist auch der Premierminister an. Wir wissen noch nicht, wo wir übernachten werden und wie wir an unser Gepäck kommen, das im Spital eingeschlossen ist. Bei unserer Ankunft streiten sich die Taxifahrer, wer uns zu welchem Preis in die Stadt fahren darf. Das günstigste Angebot berücksichtigen wir, was bei den anderen Taxifahrern Protest und Unmut auslöst. Nach einem Telefon-gespräch mit Alex Munamua steht auch fest, wo wir übernachten werden und wie wir zu unserem Gepäck kommen. Jetzt weiss ich aber auch, dass unser Container mit dem Material noch immer nicht eingetroffen ist, er wird erst am Samstag erwartet. Weil mein Rückflug in die Schweiz aber bereits für Montag gebucht ist, bin ich enttäuscht, werde ich doch die Ankunft des Containers nicht mehr erleben. Das Ehepaar von Fellenberg reist zwar erst eine Woche später in die Schweiz zurück, aber auch für sie kommt das Material wohl zu spät. Was ist jetzt zu tun?

Am anderen Morgen besprechen wir im Spital mit Alex Munamua das weitere Vorgehen. Wo die Röntgenanlage montiert werden soll, wissen die zuständigen Leute immer noch nicht. Egal wo diese schliesslich hinkommen wird, ich kann sie nicht mehr installieren. Der Elektriker im Spital von Honiara wird dies machen, neben meinen Instruktionen stehen ihm dafür Bilder und Zeichnungen zur Verfügung. Das Ultraschallgerät wird in Buala zum Einsatz kommen. Damit die Leute dort mit dem Gerät umgehen können, müssen sie entsprechend instruiert und geschult werden. Wenn der Container mit dem Material am Samstag im Hafen in Honiara eintrifft, ist nicht damit zu rechnen, dass dieser vor Mittwoch im Spital zur Verfügung steht, sind doch allerlei Formalitäten zu erledigen auch der Transport vor Ort braucht Zeit. Der anschliessende Weitertransport mit dem Schiff nach Buala wird ebenfalls zeitaufwendig sein. Es sieht also ganz so aus, als ob Theo und Nathalie von Fellenberg ihre vorgesehenen Arbeiten ebenfalls nicht mehr erledigen könnten. Am späten Mittwochnachmittag sehen wir unserer grossen Überraschung ein Containerschiff in den Hafen einlaufen. Die Hoffnung steigt, dass unser Material doch noch früher als erwartet eintrifft. Alex Munamua fährt nach einen kurzen Telefongespräch mit mir zum Hafen um abzuklären, ob unser Container wirklich mit dabei ist. Leider ist dem nicht so, es ist das falsche Schiff.

Theo von Fellenberg fährt für einen Tag nach Tetere in ein kleines Spital ausserhalb von Honiara. Er hilft dort einer jungen Ärztin aus Griechenland. Ich habe inzwischen mit dem Elektriker im Spital in Honiara vereinbart, dass ich ihm beim Reparieren einer defekten Vakuumpumpe helfe. Es ist eine Anlage mit zwei Pumpen, aber nur eine davon funktioniert. Die Kolbenringe seien zu ersetzten, vermutet der Elektriker. Als wir mit der Arbeit beginnen wollen, erkundigt er sich nach meinem Werkzeug, er habe nämlich keines. Ohne Werkzeug können wir aber nicht reparieren. Der einheimische Elektriker erklärt mir, wo der Defekt liegen könnte, die Pumpe mache grossen Lärm. Wir schalten diese ein, aber nichts bewegt sich, also liegt der Defekt vorerst an einem anderen Ort. Nach einigem Suchen finden wir ein Elektroschema und können in der Folge auch eine defekte Sicherung eruieren. Das Finden einer neuen Sicherung ist aber das nächste Problem. Im ganzen Spital ist keine auffindbar und Geld um eine neue Sicherung zukaufen, sei nicht vorhanden, erklärt mir der Elektriker. Uns bleibt nichts anderes übrig, als die alte Sicherung mit einem Draht zu reparieren - eigentlich verboten, aber es funktioniert. Jetzt sehen wir, dass bei einer Pumpe der Kolben defekt ist. Mangels Ersatzteilen und mangels Werkzeug kann ich diesen aber nicht reparieren. Die zweite Pumpe läuft noch, aber wie lange wohl? Die Vakuumpumpe wird im Operationssaal benötigt, ohne sie sind viele chirurgische Eingriffe gar nicht möglich. Eine Reparatur ist also dringend.

Am nächsten Tag, einem Freitag, beraten Theo von Fellenberg und ich im Spital zusammen mit Alex und Patrick, wie es weitergehen soll. Das Containerschiff ist auf Samstagvormittag angesagt. Alex Munamua ist sicher, dass unser Container am Sonntag im Spital eintreffen wird. Wir vereinbaren, dass Alex mich am Sonntag anruft, sobald der Container im Spital steht. Ich glaube nicht mehr daran, dass ich den Container noch sehen werden, ist mein Rückflug doch für Montagmittag gebucht.

Dann, am Samstagmorgen fährt ein Containerschiff in den Hafen ein - und es ist sogar dasjenige mit unserem Container. Am Sonntagmorgen ruft mich Alex Munamua an, der Container sei im Spital eingetroffen. Ich treffe ihn und Patrick im Spital, der Container ist noch plombiert. Alex Munamua entscheidet, die Plombe ohne den Zöllner zu öffnen, was uns dann nach einigem Mühen auch gelang. Mit Hilfe des Spitalpersonals und einiger Patienten wurde dann das Material in verschiedene Räume im Spital verteilt. Nun begann für mich die grosse Arbeit. Bis am Montagmittag konnte ich fast alle Geräte zusammenbauen und in Betrieb nehmen, alles funktionierte einwandfrei. Patrick war besonders happy mit seinem neuen Bildverstärker. Beim Ultraschallgerät von Theo von Fellenberg musste noch das Elektrische angepasst werden, damit das Gerät möglichst rasch nach Buala transportiert werden konnte. Die grosse Röntgenanlage steht immer noch im Container. Sie wird weitertransportiert werden, sobald klar ist, auf welcher Insel sie benötigt wird. Den Elektriker habe ich aber noch eingehend instruiert, so dass er in der Lage sein sollte, die Röntgenanlage selber zu montieren.

Container Beim Auspacken Material
Material Beim Auspacken Beim Auspacken

Jetzt ist es Montagmittag, 28. März, Patrick bringt mich zur Unterkunft. Ich packe meine Sachen zusammen und verabschiede mich von Theo und Nathalie von Fellenberg. Sie werden noch eine Woche in Buala weilen (Insel Santa Isabel), um die Leute dort im Gebrauch des Ultraschallgeräts zu instruieren. Patrick bringt mich zum Flughafen Honiara und schon beginnt für mich die Heimreise.

© Dezember 2011 Ernst Knellwolf

Siehe auch: Theodor von Fellenberg: Zum dritten Mal auf den Salomonen: Kurzeinsatz 2011

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