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Reisebericht Solomon Islands (4. bis 25. Februar 2013)

von Ernst Knellwolf (Bilder E. Knellwolf)

Montag, 4. Februar. Start ist am frühen Morgen im Hotel in Brisbane. Gestern Abend habe ich vor Ort hier Dani Rechsteiner getroffen, er kommt mit auf die Solomonen. Um 7.40 Uhr holt uns der Airport-Bus ab und um 8.30 Uhr treffen wir Hermann Oberli wie abgemacht beim Solomon Airline Check-In. Es läuft eigentlich alles wie vorgesehen. Vor dem Einsteigen treffen wir Regula Widmer, sie war bereits 1996 für ein halbes Jahr in Honiara, und Anita Emmenegger. Das Einsteigen ins Flugzeug erfolgt rechtzeitig, nur auf dem Rollweg zum Start bleiben wir noch ca. eine halbe Stunde stehen, technische Problemen sind die Ursache für die Startverzögerung.

Gruppenfoto Speerkrieger Kriegergruppe

Die Ankunft in Honiara verläuft nach Plan. Auf dem Rollfeld stellen wir uns noch für ein Gruppenfoto auf. Plötzlich kommen von allen Seiten Einheimische mit lautem Geschrei in Kriegsbemalung und bewaffnet mit Speeren auf uns zu. Sie haben aber eine andere Gruppe im Visier. Unsere Einreise verläuft weiter wie geplant. Nach dem Zoll erwarten uns bekannte Gesichter: Dr. Patrik und Dr. Alex sowie Betsy, die Sekretärin von Robert Goh. Wir alle dürfen das Haus von Robert Goh benützen, inkl. Auto und Hausbewachung. Für die Hausreinigung und die Wäsche steht ein Haus-Girl zur Verfügung. Betsy hat den Transport vom Flughafen zum Haus organisiert. Es ist eines der schönsten Häuser in der Umgebung. Eine riesige Früchteschale und wunderschöne Blumen stehen als Willkommgruss bereit. Nach einem kurzen Einkauf in der Stadt fahren wir zum Nachtessen in den Yacht-Club. Hermann Oberli war vor Jahren Präsident des Yacht-Club, er wird auch gleich erkannt und herzlichst begrüsst.

Blumen

Dienstag, 5. Februar. Erster Besuch im Spital. Wir treffen hier in der Fracture-Clinic und im Operationssaal bekannte Gesichter – aber auch eine unbeschreibliche Unordnung. Es ist alles überstellt mit brauchbaren, aber auch unbrauchbaren Materialien und Geräten. Eine solche Unordnung haben wir nicht erwartet. Auch in der Werkstatt und in der früheren Cafeteria herrscht ein unglaubliches Chaos, fast alles ist unbrauchbar. Das Schlimmste ist, die Leute hier wissen gar nicht, was hier alles herumliegt. Auch im Durchgang wird meist unbrauchbares einfach abgestellt. Wir wissen, dass der Container aus der Schweiz im Hafen steht, aber wann dieser bei uns eintrifft, das wissen wir nicht. Ziel ist es, den Container im National-Medical-Store abzustellen und das Material von dort aus zu verteilen. Nach einigen Abklärungen steht fest, der Container muss auf dem Spitalareal abgestellt werden. Die Auslieferung ist auf Mittwoch vorgesehen.

Lager Lager Lager

Mittwoch, 6. Februar. Heute nehme ich Werkzeug mit in das Spital. Ich nehme mich zusammen mit Dani den diversen Geräten an, die nicht mehr funktionstüchtig sind. Die beiden Frauen beginnen mit dem Aufräumen und Sortieren in der Fracture-Clinic. Im Verlaufe des Tages trifft der noch immer plombierte Container auf dem Spitalareal ein. Bis am Abend machten wir einige Kleingeräte bereits wieder betriebsbereit.

Regula und Anita Containerankunft

Donnerstag, 7. Februar. Nachdem Alex zwei grosse Schlösser organisiert hat, knacken wir die Zollplombe selber. Der eigentlich kaputte und verbogene Container der Firma Kühne und Nagel wurde nach unserer Reklamation in der Schweiz noch etwas abgedichtet. Der Inhalt des Containers hat die Reise gut überstanden. Weil im Spital kein Platz vorhanden ist, um das Material zu stapeln und zu sortieren müssen wir eine andere Lösung suchen. Unklar ist auch noch, wo die vielen Geräte und Materialien eingesetzt werden sollen. Entsprechende Abklärungen sind schwierig, weil viele Ansprechpersonen abwesend oder anderweitig beschäftigt sind. Am Dienstag hat sich ein schweres Erdbeben mit anschliessendem Tsunami ereignet. Die betroffene Region braucht Hilfe, auch aus Honiara.

Offener Container

Hermann versucht einen zweiten leeren Container zu organisieren, der neben dem Container aus der Schweiz platziert und als Zwischenlager dienen könnte. Die einheimischen Firmen brauchen aber Tage dafür. Stanley, der Bruder von Robert Goh, hilft uns dabei. Zwei Stunden später steht ein schöner 40-Fuss-Container neben unserem Container.

Freitag, 8. Februar. Das Entladen und Verteilen der mitgebrachten Güter kann beginnen. Alex organisiert einige Leute zum Schleppen. Einiges wird direkt an den richtigen Ort im Spital gebracht. Geräte und Material für Aussenstellen sowie die Fracture-Clinic kommen in den Zwischenlager-Container. Am Vormittag holt der Fahrer vom Tetere-Spital Regula und mich ab. Das Tetere-Spital ist ein Provinzspital im Osten von Honiara. Dort wollen wir abklären, was alles gebraucht wird. Vorgesehen ist, dass ein mobiles Röntgengerät geliefert wird. Sister Daly empfängt uns herzlich und führt uns durch das Spital. Sie hat eine Liste zusammengestellt, was alles benötigt wird. Einen Teil davon können wir bereit stellen. Das mobile Röntgengerät macht hier jedoch keinen Sinn. Niemand kann das Gerät bedienen und es ist auch kein ständiger Arzt hier.

Entladen Entladen Entladen

Samstag, 9. bis Montag, 11. Februar. Das Wochenende verbringen wir in einem wunderschönen Resort in Nugu-Islands, zwei Stunden waren wir mit dem Boot von Honiara übers offene Meer unterwegs auf die Insel.

Dienstag, 12. Februar. In der Fracture-Clinic müssen wir einen Bildverstärker entsorgen, weil dieser nicht mehr reparierbar ist. Das ist nicht weiter schlimm, haben wir doch einen anderen im Container. Gemeinsam mit dem Spitalpersonal räumen wir den Container aus. Am Nachmittag kommen zwei Ultraschallgeräte zum Vorschein. Diese bringen wir in die Fracture-Clinic, montieren den passenden Stecker und machen den Funktionstest. Gleichzeitig bemühen wir uns in der Werkstatt um Platz für unsere OP-Lampen. Nach längerem Widerstand des Werkstattpersonals wird plötzlich aufgeräumt und wir erhalten den notwendigen Platz.

Mittwoch, 13. Februar. Vom National-Medical-Store aus organisieren wir einen Lastwagen mit Kran, um das mobile Röntgengerät aufzuladen. Dieses wird zwischengelagert bis der Verwendungsort klar ist. Gleichzeitig wird auch noch einiges Verbandsmaterial mitgenommen. Für das Tetere-Spital ist alles bereitgestellt. Ohne Voranmledung steht Sister Daly am Vormittag im Spital um das Material abzuholen. In der Zwischenzeit ist auch der Bildverstärker zum Vorschein gekommen. Diesen bringen wir ebenfalls in die Fracture-Clinic. Dort wird der Bildverstärker zusammengebaut und erfolgreich getestet. Die beiden Frauen sind, wie an den Tagen zuvor, mit Aufräumen und Sortieren beschäftigt. Seit dieser Woche läuft ein Ausbildungskurs für Ärzte, Hermann ist dort voll beschäftigt.

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Bildverstärker Bildverstärker

Donnerstag, 14. Februar. Der Container aus der Schweiz ist nun leer, das restliche Material liegt im Lagercontainer. Der leere Container kann in den Hafen zurückverschoben werden. Die drei OP-Lampen warten in der Werkstatt auf den Zusammenbau. Dani und ich sind in den nächsten Tagen zur Hauptsache damit beschäftigt. Ohne vorherige Instruktion ist das Zusammensetzen der in Einzelteilen gelieferten Lampen nicht ganz einfach. Eine CD mit Montageanweisungen erleichtert uns die Arbeit. Nach einigen Schwierigkeiten haben wir eine Lampe zusammengebaut und funktionstüchtig verkabelt. Nun müssen wir feststellen, dass die OP-Lampen zwar sehr gut funktionieren, für den Betrieb in diesem Land aber völlig ungeeignet sind. Zusammen mit den Ärzten und dem Unterhaltspersonal stellen wir fest, diese Lampen sind zu entsorgen.

Ja, es ist Valentinstag, wir gehen mit unseren guten Köchinnen Auswärtsessen. Den geeigneten Platz dafür zu finden, ist aber nicht ganz problemlos.

Freitag, 15. Februar. Dani und ich sind haben keine Arbeit mehr. Wir versuchen unsere Rückreise nach Australien anders zu organisieren.

Samstag/Sonntag, 16./17. Februar. Wir machen alle zusammen einen Ausflug nach Savo. Das ist eine kleine Insel mit einem aktiven Vulkan. Dort leben Vögel, die vergraben ihre Eier in den Sand und diese werden dann von der Wärme des Sandes ausgebrütet. Robert Goh, ein Freund von Hermann, hat für uns diesen Ausflug organisiert. Robert empfängt uns am Samstagmorgen zusammen mit Sir Allen in Honiara. Sir Allen ist der ehemalige Ministerpräsident von Solomon Islands und jetziger Parlamentssprecher. Er ist auch Besitzer der Gästeunterkunft auf Savo. Er begleitet uns mit dem Auto bis zur Bootsüberfahrt nach Savo. Leider beginnt es zu regnen. Bis der grösste Regen vorüber ist, verbringen einige Zeit in einer Hütte. Dann entschliessen sich die Einheimischen für die Bootsüberfahrt. Kaum befinden wir uns auf rauen See, überschwappt eine grosse Welle das Boot und wir sind alle triefend nass. Bei diesen warmen Temperaturen macht uns das aber kaum etwas aus. Die Überfahrt ins Resort dauert ca. 45 Minuten. Dort empfängt uns ein Führer für eine Besteigung des Vulkans. Ich bleibe im Resort zurück, weil ich die Besteigung des Vulkans meinem Knie nicht zumuten kann. Gegen Abend bringt uns der Führer noch die Verarbeitung von Kokosnüssen näher.

Am Sonntagmorgen ist wieder schönes Wetter. Wir fahren mit dem Boot noch vor dem Morgenessen in ein Dorf wo Vögel mit dem Namen Megapodes ihre Eier legen. Die Einheimischen graben die in den Sand gelegten Eier aus und essen diese. Die Eier sind etwas grösser als Hühnereier. Nach dem Morgenessen kehren wir mit Boot und Auto zurück nach Honiara.

Montag 18. Februar. Heute Mittag fliegt Dani zurück nach Australien. Vorher hilft er mir aber noch den Lagercontainer ganz zu leeren. Die letzten Schachteln werden in die Fracture-Clinic gebracht. Eine transportable Liege wird in die Ambulanz eingebaut. Es verbleiben nur noch ein Operationstisch und einige Sachen für den National-Medical-Store zurück. Am Nachmittag buche ich noch meinen Flug nach Brisbane um, ich fliege nun mit den anderen am 25. Februar. Regula hat schon einige Tage Probleme mit einem hartnäckigen Husten und Schmerzen im Brustbereich. Sie kann ihre Arbeit nicht mehr weiterführen. Hermann bringt sie nach Hause zum Ausruhen.

Dienstag, 19. Februar. Der Lastwagen mit Kran vom National-Medical-Store ist auf 9 Uhr bestellt. Er soll den schweren Operationstisch vom Container in das Spital bringen. Um 9.30 Uhr kommt der Lastwagen an, aber ohne einen Strick und sonstiges Hilfsmaterial. Ich schicke den Fahrer und Lastwagen wieder zurück um das Fehlende zu organisieren. In der Zwischenzeit wird Regula von einem australischen Arzt untersucht. Aufgrund des Röntenbilds diagnostiziert ein einheimischer Arzt eine Lungenentzündung und verordnet Regula sofortige Bettruhe. Nachdem der Operationstisch endlich und nach vielen Diskussionen auf den Lastwagen gehievt und am richtigen Ort abgeladen worden ist, bringe ich Regula nach Hause. Wieder zurück im Spital erwarte ich noch Schwester Daly vom Tetere-Spital. Sie holt noch einiges Material ab. Am Abend dann die gute Nachricht von Herman, Regula hat keine Lungenentzündung.

Mittwoch, 20. Februar. Der Operationstisch steht nun im Gang zum Operationssaal. Ich montiere den richtigen Stecker, damit der Tisch auch angeschlossen werden kann. Nach der Funktionsprüfung wird er gleich in einen Operationssaal verschoben. Ich zügle auch noch einen Bildverstärker in den Operationssaal. Dort wird der Bildverstärker vor allem benötigt und in der Fracture-Clinic sind sie froh um den freiwerdenden Platz.

Donnerstag, 21. Februar. An zwei Röntgenbildbetrachtern montierte ich die hier funktionierenden Stecker. Das ist meine letzte Arbeit. Mein mitgebrachtes Messgerät, das ich für meine Arbeit hier gebraucht habe, schenke ich dem Elektriker und verabschiede mich vom Werkstattpersonal.

Freitag, 22. Februar. Regula, Anita und ich fahren nochmals ins Spital von Tetere. Regula hat noch einige Instrumente für dieses Spital und Anita war auch noch nie dort. Die ehemalige Operationssaal-Mitarbeiterin Marilyn fährt uns dorthin, sie war auch noch nie in diesem Spital. Ganz überraschend trifft Marilyn dort eine alte Bekannte aus ihrer Zeit in der Schwesternschule. Sister Daly zeigt uns allen nochmals den Spital.

Ganz in der Nähe befindet sich eine Palmöl-Fabrik. Sister Daly empfiehlt uns eine Besichtigung der Anlage. Nach anfänglichen Diskussionen unter den Einheimischen zeigt uns der Betriebsleiter die Anlage. Auf der Fahrt von Honiara nach Tetere fahren wir eine lange Strecke durch die Palmöl-Plantagen.

Samstag, 23. Februar. Zusammen gehen wir Einkaufen fürs Nachtessen. Hermann hat Desmond Soares, einen australischer Arzt, zum Essen eingeladen. Dieser sorgt zusammen mit Hermann für die Ausbildung der einheimischen Ärzte. Nicht ganz einfach ist es, auf dem Markt den richtigen Fisch zu finden. Weil der Fischer mit dem guten Fisch über kein Messer zum filetieren verfügt, kaufen wir nicht. Schlussendlich klappt es dann noch bei einem anderen Fischer. Nach dem Einkauf geniessen wir den Tag an der frischen Luft am Meer.

Sonntag, 24. Februar. Vor dem Mittag holt uns Marilyn ab, wir fahren in Richtung Bonegi-Beach zum Baden und zum Picknick. Es ist ein wunderschöner Nachmittag und wir geniessen ein letztes Bad im warmen Südpazifik.

Montag, 25. Februar. Heute Nachmittag, 15 Uhr, ist der Rückflug nach Brisbane angesagt. Um 11 Uhr holt uns Betsy mit dem Auto ab und bringt uns zum Flughafen. Wir machen noch einen Zwischenstopp im Spital und verabschieden uns vom Spitalpersonal. Hermann überrascht uns noch mit der Mitteilung, dass in Brisbane sehr schlechtes Wetter herrscht und der Flug von heute Nachmittag eventuell abgesagt wird. Wir fahren mit gemischten Gefühlen zum Flughafen. Der Flug klappt jedoch und wir landen bei starkem Regen in Brisbane. Hier trennen sich unsere Wege für den Heimweg.

© Mai 2013 Ernst Knellwolf

Siehe auch: Regula Widmer-Kennel: Südseeparadies? Südseeparadies!

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