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Sechs Monate im Kilu'ufi Hospital auf Malaita

Oktober 2004 - April 2005

von Dr. med. Theodor von Fellenberg

 

Nun sind wir wieder zurück von unserem sechsmonatigen Einsatz im Kilu'ufi Hospital auf Malaita. Wir waren zum zweiten Mal für einen Halbjahreseinsatz auf den Solomonen. Letztes Mal war's das Central Hospital in Honiara auf der Chirurgie, dieses Mal als einziger erfahrener voll arbeitender Arzt im zweitgrössten Spital der Salomonen (150 Betten Medizin, Pädiatrie, Chirurgie und dazu die Psychiatrie des ganzen Landes).

Vom Ministry of Health wurden wir mit offenen Armen empfangen, ist doch der Ärztemangel in den Salomonen weiterhin ein grosses Problem: vor allem in den peripheren Spitälern und Kliniken gibt es kaum Ärzte. Leider gibt das Ministry of Health diesen Mangel nicht genügend bekannt, um die Stellen wenigstens mit Ausländern zu besetzten. Am Geld scheint es im Moment nicht zu mangeln, speist doch Australien grosse Geldmengen ins Gesundheitswesen ein, was lokale Löhne für alle Ärzte ermöglichen sollte.

In Auki wurde uns ein voll eingerichtetes schönes Haus zur Verfügung gestellt. Der Spitaldirektor Henry Kako hat sich persönlich von der vollständigen Einrichtung (bis und mit Toaster und Wasserkocher) unseres Hauses überzeugt und wäre auch für etwelche Wünsche sicher offen gewesen. Das Spital machte einen ungewöhnlich sauberen und aufgeräumten Eindruck.

Man sieht den Gebäuden die 40 Jahre Benützung nicht an. An den Einrichtungen hingegen hat der Zahn der Zeit unerbittlich genagt: Für die Operationslampe waren keine Birnen mehr aufzutreiben, für den Autoklaven gab's keine Ersatzteile mehr, so wurde das Sterilgut zweimal pro Woche nach Honiara zur Sterilisation verschifft und kam auch nicht immer rechtzeitig zurück - Operationen mussten aus Mangel an Instrumenten immer wieder verschoben werden. Auch die Firma, welche den Röntgenapparat vor ca. 30 Jahren herstellte, gibt's nicht mehr - auch hier hat der Ersatzteilmangel die Anlage vor zwei Jahren lahm gelegt. Der relativ neue und gute Ultraschall - ein Geschenk von Neuseeland - soll während des Bürgerkrieges gestohlen und einem Arzt des Central Hospitals gegeben worden sein. Dieser benützte den Ultraschall privat und verlange von den Patienten Geld für den Untersuch mit "seinem privaten" Gerät. Ob das Gerät wieder zurückgebracht werden kann, ist fraglich.

Im Operationssaal hat niemand das Herz, defekte Geräte fortzuwerfen, so konnte ich sehen, dass es einmal ein (funktionierendes?) Gastroskop und ein Zystoskop gab. Zusätzlich fehlen ganz banale Dinge wie exakte Personenwaagen, funktionierende Ohrenspiegel oder Scheren.

Malaita, und speziell Auki, hat in den restlichen Salomonen einen sehr schlechten Ruf, wohl auf Grund des Bürgerkrieges. Uns hat man jedenfalls von verschiedenen Seiten sehr abgeraten dorthin arbeiten zu gehen. Auch Salomoner versuchen, dem "Schicksal" im Kilu'ufi Hospital zu arbeiten, wenn möglich zu entgehen. Ich und auch die andern nicht-Malaiter waren uns jedoch einig, dass das Kilu'ufi Hospital anders ist als das Central Hospital in Honiara: das Personal ist viel motivierter, arbeitet ohne zu murren Überzeit, kontrolliert sich selber, damit die Arbeit am Patienten so gut wie es die Umstände erlauben gemacht wird, und versucht sich wo immer möglich weiterzubilden. Es hat sicher damit zu tun, dass man sich mehr Mühe gibt, die eigenen Familien gut zu behandeln als Fremde von einer andern Insel mit einer andern Sprache und Kultur. Praktisch jeder Patient in Kilu'ufi hatte irgend einen im Spital arbeitenden Wantok. Alles in allem war der Aufenthalt sehr positiv und ich bin sicher, dass sich die Qualität nach dem Eintreffen von neuem Material aus Australien in Kilu'ufi markant verbessern wird und wenn genug qualifizierte Ärzte gefunden werden, möglicherweise sogar Honiara an Qualität überflügeln könnte. Es gibt ja hochtrabende Pläne aus Malaita, welche Kilu'ufi zu einem zweiten Ausbildungsspital der Salomonen machen wollen...

Was war meine Aufgabe am Spital: ich denke, das Ministry of Health hat mich in Kilu'ufi als Überbrückung eingesetzt. Bei meiner Ankunft waren nur zwei Interns und ein schwer von Rheuma geplagter Gynäkologe klinisch am Spital tätig. Ich hatte die schwierigen Fälle zu beurteilen und zu behandeln, und versuchte gleichzeitig den jungen einheimischen Ärzten so viel wie möglich von meinem Wissen mitzugeben. Es kamen nach Neujahr immer mehr einheimische junge Ärzte ans Spital: "Wenn es ein Ausländer dort aushält, kann es wohl nicht so schlecht auf Malaita sein?". So waren nach meiner Abreise acht junge Ärzte am Spital angestellt, so viele wie noch nie.

Meine Überbrückung und mein Beweis, dass man an einem Spital mit schlechtem Ruf gut und gerne arbeiten kann, hat dem Ministry of Health gut gefallen. Ich wurde angefragt, ob ich nicht nächstes Jahr im Spital von Kirakira auf Makira das gleiche tun möchte. Es reizt uns und wenn es mit den Kindern klappt, wer weiss?

© 2005 Theodor von Fellenberg

Siehe auch: Sechs Monate auf der Chirurgie im National Referral Hospital in Honiara

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